Ein Spaziergang am Gamsgrubenweg, ein Blick auf die Pasterze und ein Halt in Heiligenblut. Meine ganz persönliche Annäherung an Österreichs höchsten Berg.
Windböen. Eis. Berge voller Demut.
Ich stehe am Gamsgrubenweg, die Hände tief in den Jackentaschen vergraben, und für einen Moment sage ich gar nichts. Manche Orte muss man einfach nur aushalten. Ich habe schon viele Gipfel gesehen, aber keiner hat mich so klein gemacht wie der Großglockner. Mit 3.798 Metern ist der Großglockner nicht nur der höchste Berg Österreichs, sondern auch einer der mächtigsten Gipfel der gesamten Ostalpen. Und er weiß es. Einer Pyramide gleich türmt er sich vor mir auf, während unten die Pasterze, seine Gletscherzunge, gemächlich ins Tal gleitet. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man vor diesem Anblick automatisch leiser wird. Als Kind bin ich in der Schule noch über das Eis gewandert. Das geht heute nicht mehr. Trotzdem.
Was mich still gemacht hat, war nicht nur die Höhe. Es war der Gedanke daran, dass Menschen sich diesem Berg schon 1800 zum ersten Mal gestellt haben, von Kärnten aus, ohne die Ausrüstung, die wir heute für selbstverständlich halten. Bergsteiger schätzen diese Route bis heute. Ich könnte sie nicht gehen. Aber ich mag es, unten zu stehen und mir vorzustellen, wie es gewesen sein muss. Mich zieht es nicht hinauf auf den Gipfel. Mir gibt eine Bergtour nichts. Deshalb gehe ich, untypisch für eine gstandene Kärntnerin, auch nicht bergwandern. Ich bin lieber am Wasser, im Wald, auf blühenden Wiesen.
Der Großglockner und ich
Vielleicht überrascht es dich, aber der Großglockner kann auch zahm. Auf dem Gamsgrubenweg, breit, eben und erstaunlich bequem, entdeckte ich Murmeltiere, die sich kaum stören ließen, und Steinböcke, die mich mit mehr Gelassenheit musterten, als mir lieb war. Der Weg führt durch mehrere Tunnel, manche erzählen von Sagen, andere vom mystischen Wasser, das durch das Gestein sickert. Ich mag diese Mischung: der unnahbare Riese auf der einen Seite, ein Spaziergang für alle auf der anderen.
Wenn du dich der Hochalpenstraße näherst, mit ihren 36 Kehren und über 2.500 Höhenmetern, mach vorher unbedingt Halt in Heiligenblut. Der kleine Ort liegt dem Großglockner buchstäblich zu Füßen, und die Wallfahrtskirche St. Vinzenz beherbergt der Legende nach ein Fläschchen mit dem Blut des Heiligen Briccius. Ob Selfie oder analog, ich habe dort mein liebstes Foto der ganzen Reise gemacht. Weil der Berg hier in Relation zu sehen ist. Zu den Häusern im Dorf. Zu der Kirche. Auch hier habe ich Erinnerungen an die Kindheit: mit der Oma in der Wallfahrtskirche, mit den Eltern auf der Alpenstraße, als Jugendliche beim Sightseeing im eigenen Land.

Was du rund um den Großglockner noch tun kannst
Falls du in der Nähe bist: Goldgräberdorf, Wasserfall Jungfernsprung und die Raggaschlucht liegen ganz in der Nähe und sind für mich drei kleine Wasserabenteuer, die die Reise zum Großglockner noch runder machen. Nimm dir die Zeit dafür oder lass es einfach sein und genieße nur den Blick auf das ewige Eis. Beides ist richtig.
Aber unbedingt solltest du das neue Steinbock-Haus besuchen, allein schon wegen der Terrasse mit dem Café. Wenn du in der Nähe ein tolles Hotel suchst, kann ich dir die Nationalparklodge von Familie Pichler empfehlen. Sie sind im Ort so etwas wie die Tourismuspioniere und haben gleich zwischen Kirche und Steinbockhaus ein gemütliches Hotel mit sehr gutem Essen.
Großglockner Hochalpenstraße: www.grossglockner.at
Tourismusinfo Heiligenblut: www.heiligenblut.at
Mehr davon? Der Großglockner ist nur einer von 66 Lieblingsplätzen aus „Kärnten ganz gemütlich“. Das ganze Buch findest du hier bei Amazon. Und auf meinem YouTube-Kanal Anita auf Reisen (@anitaarneitz) nehme ich dich mit an genau diese Orte.
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