Apitherapie in Slowenien erleben: In Lesce wird Honig zur Medizin. Entdecke Heilhonig, Tinkturen und altes Bienenwissen aus dem Alpen-Adria-Raum.
„Probiert alles, wirklich alles“, sagt Blaženka und reicht mir ein Löffelchen Efeuhonig, dunkel wie Karamell und bereits leicht kristallisiert. Ich zögere kurz. dann schmecke ich es, und verstehe zum ersten Mal, dass Honig für sie kein Frühstücksaufstrich ist, sondern viel mehr. Der kleine Laden im Erdgeschoss von Beejoy in Lesce riecht nach Wachs, Blütenstaub und ein bisschen nach Apotheke. Genau dazwischen, erklärt mir Blaženka Jakopič, liegt ihr Thema: die Apitherapie, die medizinische Verwendung von Bienenprodukten.
Inhalt Apitherapie bei Beejoy in KürzeFachgeschäft für Honig, Pollen, Tinkturen und Cremes mit Fokus auf die medizinische Wirkung von Bienenprodukten, im Erdgeschoss eines kleinen Bienenzentrums in Lesce. ● 📍 Anfahrt: Lesce, wenige Autominuten von Bled entfernt ● 🕐 Beste Zeit: Ganzjährig geöffnet, im Obergeschoss lädt zusätzlich ein Café ● 🐾 Für Interessierte: Kostproben und Erklärungen zu den einzelnen Sorten sind Teil des Besuchs ● 💶 Kosten: Verkostung meist kostenlos, Produkte kaufbar vor Ort |
Ein Land, viele Honige
Slowenien ist klein, aber landschaftlich so vielfältig, dass sich das im Honig widerspiegelt wie in kaum einem anderen Land. Im Shop liegen Lindenblüten-, Kastanien-, Akazien-, Fichten- und Tannenhonig nebeneinander, jeder mit eigener Farbe, Konsistenz und so erklärt es Blaženka eigener Heilwirkung.

Kastanien- und Akazienhonig etwa haben den niedrigsten glykämischen Index im Sortiment, sie enthalten mehr Fruktose als Glukose und eignen sich dadurch auch für Menschen mit Diabetes. Der Efeuhonig, den ich vorhin probiert habe, ist das Gegenteil: Er kristallisiert bereits nach drei Tagen, weil er besonders viel Glukose enthält, und gilt als kräftiges Mittel für die Lunge.

Honig als Träger, nicht nur als Süße
Ein Satz fällt bei Blaženka immer wieder, fast wie ein Motto: „Honig funktioniert als Träger für alles, für konventionelle Medikamente, für natürliche Heilstoffe, für alles.“ Für sie ist Honig also weniger ein Endprodukt als ein Transportmittel, das Wirkstoffe zuverlässig in den Körper bringt. Ein Beispiel dafür steht direkt vor mir im Regal: eine Thymian-Tinktur. Kein Honig mit Thymiangeschmack, sondern eine echte, alkoholbasierte Tinktur, der in einem eigenen Verfahren der Alkohol wieder entzogen wird. Übrig bleibt nur das Wirkstoffkonzentrat, eingearbeitet in Honig.

Fichtenspitzen, Rotwein und Rote Bete
Ein Highlight im Sortiment ist der Fichtenspitzen-Honig: junge Fichtentriebe, schonend gefriergetrocknet und in Honig eingebettet, empfohlen für Inhalationen und bei Atemwegsbeschwerden, ein Wissen, das im Alpen-Adria-Raum seit Jahrhunderten weitergegeben wird. Daneben findet sich ein Rotwein-Honig, der die als gesundheitsfördernd geltenden Wirkstoffe des Weins alkoholfrei liefert, und ein Rote-Bete-Honig mit Vitamin C, das wiederum die Eisenaufnahme im Körper deutlich verbessert.
Nicht alles stammt aus Slowenien selbst: Ein Thymian-Honig aus dem kroatischen Istrien hat es wegen seiner Qualität und seines Aromas ins Sortiment geschafft. Blaženka schaut eben auch über die Landesgrenze, wenn die Qualität stimmt. Wer es lieber cremig mag, greift zum Cremehonig – Lindenhonig, der drei Tage lang langsam gerührt wird, bis eine geschmeidige Konsistenz entsteht.

Wenn eine Kostprobe zur Lektion wird
Was den Besuch besonders macht, ist weniger das Regal als die Führung dahinter. Blaženka nimmt sich Zeit, Produkt für Produkt, kostet mit, erklärt, vergleicht. Jede Kostprobe wird zur kleinen Lektion über Botanik, Biochemie und Volksmedizin, ohne dass es je nach Vortrag klingt.
Für mich ist das genau der Punkt, an dem sich eine Gesundheitsreise durch den Alpen-Adria-Raum vom reinen Sightseeing unterscheidet: Man nimmt nicht nur ein Glas Honig mit nach Hause, sondern ein neues Verständnis dafür, was dieser goldene Stoff tatsächlich leisten kann und vielleicht die Lust, beim nächsten Imker genauer nachzufragen.

Apitherapie in Slowenien erleben
Nicht weit davon, kannst du in der Stadt Radovljica in einem toll gemachten Bienenmuseum in die Welt der fleißigen Tiere abtauchen und in der Nähe von Bled kannst du zum Beispiel direkt bei den Bienenstöcken die Apitherapie selbst ausprobieren.

Häufige Fragen
Was genau bedeutet Apitherapie?
Apitherapie bezeichnet die Anwendung von Bienenprodukten wie Honig, Pollen, Propolis oder Gelée Royale zu gesundheitsfördernden Zwecken.
Ist Honig als Medizin wissenschaftlich anerkannt?
Einzelne Wirkungen, etwa bei Atemwegsbeschwerden oder als Trägerstoff für pflanzliche Wirkstoffe, sind traditionell gut belegt, ersetzen aber keine ärztliche Behandlung bei ernsthaften Beschwerden.
Eignet sich Honig auch für Menschen mit Diabetes?
Bestimmte Sorten wie Kastanien- oder Akazienhonig haben einen niedrigeren glykämischen Index, eine individuelle Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt bleibt dennoch sinnvoll.
Kann ich die Produkte auch direkt vor Ort probieren?
Ja, die Verkostung verschiedener Honigsorten und Spezialprodukte ist fester Bestandteil eines Besuchs im Laden.

Weitere Erlebnisse in Slowenien
- Radovljica zwischen Schokolade und Alchemie
- Nordslowenien Geheimtipps: Radovljica, Ptuj & Slovenj Gradec
- Glamping in Slowenien – die schönsten Plätze zum Übernachten
- Velika Planina – Sloweniens romantische Hochalm der Hirten
Über mich
Ich bin Anita. Seit 2007 bin ich als freie Reisejournalistin und Buchautorin (über 30 veröffentlichte Bücher, u. a. für Lonely Planet, National Geographic und MERIAN) im Alpen-Adria-Raum unterwegs – und schreibe hier auf Anita auf Reisen über meine Entdeckungen.
Wenn ich nicht gerade auf Reisen bin, findest du mich meist in meiner Kräuterlei am Wörthersee in Schiefling: meinem 150 Jahre alten Familienhof, wo ich als Kräuterpädagogin Workshops gebe, Kräuter verarbeite und mit kreativem Schreiben Menschen näher zur Natur bringe.
👉 Mehr über die Kräuterlei erfahren: kraeuterlei.at
Fotos: Anita Arneitz
Comments are closed.